Geschichte und Ziele des Waisenhauses

 

 

Das Waisenhaus liegt im Norden des westafrikanischen Landes Sierra Leone,
ca. 250 km von der Hauptstadt Freetown entfernt, in der Nähe der Stadt Kambia.

 

 

SL in Afrika  SL

 

 

 

Geschichte


Der elf Jahre andauernde Bürgerkrieg in Sierra Leone (1991 – 2002) hat große Teile des Landes sowohl infrastrukturell als auch institutionell zerstört und mündete in der beinahe kompletten Zerstörung staatlicher, wie privater und administrativer Sektoren.

 

Der Bürgerkrieg hatte außerdem verheerende Folgen für die sierra leonische Bevölkerung. Zehntausende Menschen kamen in Folge des Krieges ums Leben. Noch mehr wurden zu Binnenvertriebenen oder flüchteten in die benachbarten Länder Guinea oder Liberia. Wieder andere wurden misshandelt, vergewaltigt oder schwer traumatisiert. Viele Kinder wurden in eine der beiden sich bekämpfenden Rebellenorganisationen verschleppt und zum Gebrauch von Schusswaffen gezwungen. Andere wiederum verloren ihre Eltern und wurden obdachlos. Die Ausbeutung von Kindern in Folge von kriegswirtschaftlichen Interessen (Stichwort „Blutdiamanten“) stieg enorm an. Die meisten Kinder in Sierra Leone fanden sich in völlig neuen und fremden Situationen wider, die in folgende Kategorien unterteilt werden könnten:

 

  • Kinder, die während des Bürgerkrieges von Rebellenorganisation zum Kriegsdienst gezwungen wurden und ihre Verwandten nach dem Krieg nicht mehr wieder finden konnten, weil diese getötet oder vertrieben wurden. Außerdem konnten sich viele nicht mehr an ihre ursprüngliche Heimat erinnern, weil sie noch zu jung waren, als sie verschleppt wurden und teilweise mehrere Jahre in den Rebellenorganisationen verbracht bzw. aktiv teilgenommen haben;
  • Kinder, die während des Krieges ihre Eltern verloren und oftmals auch keine näheren Verwandten oder Bekannten mehr fanden, die eine elterliche Fürsorge für sie böten;
  • Kinder, die während des Bürgerkrieges ihre Eltern verloren und oft keine näheren Verwandten fanden, die die nötigen finanziellen Mittel hatten, um eine kindgerechte Sorge für sie breit zu stellen;
  • Kinder, deren Eltern zwar am Leben waren, durch den Krieg jedoch ihre Existenz verloren haben und nicht die nötigen Mittel für Verpflegung, Schulbildung und Gesundheit aufbringen können.

 

Alle Kinder dieser vier Kategorien erlitten emotionales Leid durch die fehlende elterliche Fürsorge und Erziehung. Gleichwohl sind sie vielen Gefahren ausgesetzt. Insbesondere Unterernährung und fehlende medizinische Versorgung führen oft und schnell zum Tod junger Menschen. Kinder, die ungeschützt und hoffnungslos verloren sind, werden oft in unseriöse Tätigkeiten gezwungen. So landen viele Mädchen in der Prostitution und werden auf Grund fehlender Verhütungsmittel schon mit jungen Jahren unerwartet Mutter. Andere werden regelmäßig mit sexueller Gewalt konfrontiert. Jungen werden oft zu Straßenkindern oder zu Kriminellen. Außerdem können sie schnell zur Stimulation politischer Unruhen ausgenutzt werden. Und letztendlich fehlt den Waisenkindern die Aussicht auf eine sichere und menschenwürdige Zukunft.

 

Das Tonko Limba Chiefdom, in dem sich das Waisenhaus befindet, bildet keine Ausnahme in der engen Verknüpfung mit dem Bürgerkrieg in Sierra Leone. Das Chiefdom befand sich fünf Jahre lang (zwischen 1997 – 2002) unter der Herrschaft einer der am Bürgerkrieg beteiligten Rebellenorganisationen. Während dieser Zeit fand keine Schulausbildung statt. Alle Schulen waren ausnahmslos geschlossen.

 

Im Mai 2000 gründeten Reverend James Bai Bangura und andere Mitglieder des Distriktes das, was heute das Madina Evangelical Children’s Home ist. Zuerst flüchtete Reverend James Bai Bangura mit einigen Waisenkindern und Kindern, die mit dem Bürgerkrieg in Kontakt kamen, nach Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones. Er stellte für etwa 50 Kinder Verpflegung und Obdach bereit. Da sich in Freetown niemand für die 50 Waisenkinder interessierte und diese auch in keiner der größeren Organisationen unterkamen, die sich zu dieser Zeit schon zahlreich in Sierra Leone befanden, entstand die Idee der Gründung eines Waisenhauses, das sich im Jahr 2000 etablierte und bis heute 54 Kinder und junge Erwachsene beherbergt.

 

 

Erklärung

 

Das Madina Evangelical Children’s Home Waisenhaus strebt an, obdachlosen- und Waisenkindern im Chiefdom Tonko Limba eine sichere und menschenwürdige Zukunft unter der Aufsicht der Familie Bangura zu bieten.

 

 

Ziel

 

Ziel ist es, die Anzahl von benachteiligten und marginalisierten Waisenkindern in Not durch Erziehung, Bildung, Gesundheitsvorsorge und Verpflegung zu reduzieren und somit die sozioökonomische Entwicklung der Kinder zu gewährleisten.

 

 

Wir möchten die Grundlagen dafür schaffen, dass sich benachteiligte Kinder mit unserer Unterstützung selbständig eine Zukunft aufbauen können und Teil einer friedlichen Gesellschaft in Sierra Leone werden, die nachhaltig zur Entwicklung des Landes beitragen soll.

 

Es soll ein Waisenhaus etabliert werden, das Waisen und obdachlosen Kindern folgende Leistungen bietet:

 

  • Verpflegung;
  • Bereitstellung medizinischer sowie hygienischer Grundversorgung;
  • Bereitstellung von Obdach/Unterkunft;
  • Diverse Angebote an De-Traumatisierungsprogrammen sowie moralischer und spiritueller Unterstützung durch Reverend James Bangura mithilfe des Glaubens an Jesus Christus;
  • Formale Schulausbildung bis zur tertiären Ebene;
  • Förderung und Entwicklung eigener Fähigkeiten und Schaffung von Programmen zur praktischen Anwendung derselben;
  • Intensivierung der Aktivierung von Spenden und Verstärkung von wohltätiger Unterstützung für die Waisenkinder;
  • Unterstützung und Förderung lokal angebauter Produkte und Wiederaufstockung von animalischer Zucht in Zusammenarbeit mit lokalen Bauern und in Anwendung lokaler Anbautechniken, um die Versorgung der Waisenkinder zu gewährleisten.


Hintergrund


Die hohe Anzahl von Waisenkindern bzw. obdachlosen Kindern hat eine ungleiche Belastung für diejenigen Familien hervorgebracht, die bereits Mühe haben, ihre eigenen Kinder zu ernähren und sich seit dem Bürgerkrieg auch um die zurück gelassenen Kinder ihrer verstorbenen Verwandten kümmern müssen. Üblicherweise schließen sich Kinder, die im Bürgerkrieg ihre Eltern verloren haben, ihren nächsten Verwandten an. Diese sind mit dieser zusätzlichen Last jedoch meist überfordert. Dennoch nehmen die Verwandten die Kinder auf, auch wenn sie z.B. nicht für Ernährung und Ausbildung aufkommen können – manchmal für bis zu zwölf Kinder! Viele dieser Kinder haben nicht die Chance, eine Schulausbildung zu erhalten. Sie gehören damit zu den vielen Analphabeten in Sierra Leone.

 

Den meisten Familien wird zudem die Chance genommen, durch den Anbau agrarischer Produkte für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen, da die komplette Ernte für die Versorgung der eigenen Kinder verwendet werden muss, kein Einkommen generiert werden kann und somit kein Geld bereit steht, um notwendige Investitionen tätigen zu können. Daraus folgt, dass viele Waisenkinder ihrem Schicksal überlassen werden und z.B. als Straßenkinder in Freetown enden.

 

Unsere Intention und unsere Ziele sind es, den derzeit 54 Waisenkindern einen sicheren Ort bereit zu stellen, an dem sie elterliche Fürsorge erfahren, in dem sie die Möglichkeit zu einer Schulausbildung haben und in der sie so behandelt werden, wie es jedes Kind dieser Erde verdient – stets mit der Hilfe Jesu Christi. Wir versprechen, die Kinder des Waisenhauses MECH angemessen zu erziehen, bis sie ein Alter erreicht haben werden, indem sie mit unserer Hilfe in die sierra leonische Gesellschaft integriert werden können. Zu unserem Schwerpunkt zählt hierbei vor allen Dingen Bildung. Diese ist Grundvoraussetzung für ein aufgeklärtes und emanzipiertes Denken. Durch gezielte Weiterqualifizierung, z.B. auf Universitäten oder als technische Berufsausbildung, sollen die Kinder des MECH einmal einen bescheidenen Beitrag zur Entwicklung Sierra Leones leisten.