Newsletter 03 / 2018

von Alexander Lauber

Wahlen, Renovierung, Reisfarm, Studiengebühren, Verbleibstudie

 

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde des Fördervereins,

 

die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Sierra Leone sind vorüber und das erste und wichtigste Fazit ist, dass die Wahlen friedlich, demokratisch und frei abgelaufen sind und es zu einem friedlichen Machtwechsel kam. Dies ist leider nicht in allen afrikanischen Ländern der Fall (siehe u.a. Kenia, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Zimbabwe etc.) und die Menschen in Sierra Leone können stolz darauf sein, in dieser Hinsicht vielen anderen Nationen auf dem afrikanischen Kontinent voraus zu sein.

 

Mit der Sierra Leone Peoples Party (SLPP) hat die Oppositionspartei die Wahl für sich entschieden. Wir haben die Unzufriedenheit der Menschen mit der Politik der ehemals regierenden Partei All Peoples Congress (APC) in einem unserer letzten Newsletter bereits erörtert. Die Zeit kurz nach Bekanntgabe der Stichwahlergebnisse war ein sehr kritischer Moment, denn es war nicht abzusehen, ob die APC ihren Platz an der Macht nach der Niederlage auch tatsächlich räumen würde. So werden derzeit zwar noch mehrere Regierungsfahrzeuge vermisst, die von den ehemaligen Machthabern versteckt werden; zudem sind viele Regierungsgebäude ohne Mobiliar und Büroausstattung zurückgelassen worden. Dennoch gibt es am Regierungswechsel keine Zweifel mehr. Der ehemalige Präsident hat seinen Platz geräumt und den Weg freigemacht für den neuen Präsidenten Julius Maada Bio, der bereits zwei Stunden nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse von der Stichwahl vom höchsten Richter in Sierra Leone vereidigt wurde. Die offizielle Amtseinführungszeremonie findet am 12. Mai 2018 statt. Bis dahin werden die Ministerien bekannt und besetzt und die neue Regierung kann sich voll und ganz ihren hochgesteckten Zielen widmen. Einen kurzen Bericht über die Wahl in Sierra Leone bietet die taz.

 

Bereits jetzt gibt es Änderungen, die von der neuen Regierung durchgeführt werden. So müssen Staatsbeamte nun pünktlich um 8:30 Uhr im Büro erscheinen und dürfen erst ab 16:45 Uhr Feierabend machen. Konferenzen dürfen nicht mehr in teuren Hotels abgehalten werden, sondern in Regierungsgebäuden, so dass keine Kosten für die Raummietung anfallen. Zudem dürfen sonntags nun wieder alle Läden und Märkte öffnen (ab 12:00 Uhr, also nach der Kirche). Diese Regelung wurde erst während der Ebola-Zeit eingeführt. Dafür ist nun jeder letzte Samstag eines Monats als "Putztag" ausgerufen worden. Das bedeutet, dass alle Läden und Märkte geschlossen sein müssen, damit die Menschen zu Hause bleiben und aufräumen, putzen, den Hof und die Straße fegen etc. Eine solche Regelung gab es früher bereits und wurde nun erneut eingeführt.

 

Während die Renovierungen der Gebäude am Waisenhaus fast abgeschlossen sind – Paul Bangura zeigte auf der Mitgliederversammlung am 6. April 2018 Bilder (s. Link) – setzen wir als Förderverein bereits die nächsten Aktivitäten um. Insofern kann die Mitgliederversammlung am 6. April 2018 durchaus als Meilenstein bezeichnet werden. Einstimmig wurde eine massive Unterstützung der zum Waisenhaus gehörenden Reisfarm beschlossen. Insgesamt 2.300 Euro haben wir dem Waisenhaus hierfür bereits zur Verfügung gestellt. Da der Reisanbauzyklus in diesem Jahr im März/April beginnt, mussten wir zunächst den Traktor zum Pflügen des Bodens und zum Aussäen des Saatguts reparieren lassen. Der Traktor war bereits zuvor im Besitz des Waisenhauses, allerdings seit 2015 nicht mehr in Betrieb. Zudem wurden Saatgut gekauft, Farmarbeiter bezahlt und Kosten für Treibstoff zur Verfügung gestellt. Dies alles ist in knapp 10 Tagen (!) geschehen. Das Ergebnis davon sehen Sie auf den Bildern, die wir auf unserer Homepage veröffentlicht haben (die Bilder stammen vom 20. April 2018)!

 

Die Entscheidung über die massive Unterstützung der Reisfarm haben Paul Bangura, Alexander Lauber und Sebastian Wenz im Zuge von Überlegungen getroffen, wie wir das Waisenhaus innerhalb der nächsten zwei Jahre unabhängiger vom Förderverein machen können. Aus diesem Grunde haben wir das Reisfarm-Projekt „Rice for Independency“ (R4I; „Reis für die Unabhängigkeit“) getauft. Ziel ist es, die Anbauzyklen 2018/19, 2019/20 und (teilweise) 2020/21 mit Mitteln aus dem Förderverein zu unterstützen, um damit eine solide Grundlage für den vom Förderverein unabhängigen Anbau von Reis ab 2021 zu schaffen.

 

Weitere Unterstützung vonseiten des Fördervereins wird nach der Regenzeit für die Reisernte benötigt. Zudem möchten wir eine Dreschmaschine anschaffen sowie ein Lagerhaus bauen. Mit diesem Projekt garantieren wir nicht nur die Nahrungsmittelversorgung der Kinder, sondern darüber hinaus Einkommen für das Waisenhaus. Unser langfristiges Ziel ist jedoch wie gesagt, die Unabhängigkeit des Waisenhauses vom Förderverein zu fördern.

 

Nachdem wir Ende Januar bereits die College-Gebühren für Sorie Dumbuya (Milton Margai College of Education and Technology in Freetown) bezahlt haben, haben wir nun auch die Universitätsgebühren für Sento Kargbo übernommen, die auf der Njala University in Bo „Accounting“ (Rechnungswesen) studiert. Ihren Studienbericht zum Studienjahr 2017/18 können Sie hier lesen.

 

Im März 2018 haben wir eine Verbleibstudie in Auftrag gegeben. Wir wollten wissen, wo sich ehemalige Waisenhauskinder von Madina aufhalten, was sie machen und wie es ihnen geht. Mit der Studie möchten wir herausfinden, ob bei diesen Kindern Unterstützungsbedarfe bestehen und wie wir als Förderverein möglicherweise helfen können. Die Feldstudie wurde von Sorie Dumbuya durchgeführt und ist fast beendet. Wir haben bereits jetzt 28 ausgefüllte Fragebögen von ehemaligen Waisenhauskindern. Ergebnisse der Studie möchten wir möglichst bald zur Verfügung stellen.

 

Behalten Sie das diesjährige „Internationale Stadtfest“am 30. Juni 2018 auf dem Bruchsaler Otto-Oppenheimer-Platz im Blick. Wir würden uns sehr freuen, Sie dort zu treffen und Ihnen mehr über unsere Projekttätigkeiten zu erzählen.

 

Mit herzlichen Grüßen.

 

Ihr Förderverein

 

 

 

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